
Zeit für den Patienten
Die Beta Klinik hat uns hinter ihre Türen schauen lassen. Wir haben mit Ärztinnen und Ärzten der Klinik über deren Fachgebiete aber auch über die Vorzüge einer privaten Klinik gesprochen. Ein Punkt, der von allen hervorgehoben wurde: Zeit! "Wir können uns auf unsere Kernkompetenzen konzentrieren und sind sehr nah dran an unseren Patienten", das sagt z.B. der Neurochirurg Thomas Gasser. RBRS Reporter Sven Jaworek hat sich ihm über das Thema unterhalten.
An der Beta Klinik arbeiten 30 Fachärzte und Fachärztinnen aus 20 Fachbereichen. Von Neurochirurgie bis Urologie. Von Orthopädie bis Physiotherapie.
Hemmschwelle Urologe
Wer Zahnschmerzen hat geht zum Zahnarzt. Mit Magenschmerzen gehe ich zum Hausarzt. Wenn das Ohr schmerzt hole ich mir einen Termin beim Ohrenarzt. Die Hemmschwelle, zu einem Urologen zu gehen ist dagegen immer noch vergleichsweise hoch. Sebastian Wille ist Urologe an der Beta Klinik. Seiner Erfahrung nach gehen immer noch viele Männer erst dann zum Arzt wenn Schmerzen da sind. Fatal wenn wir über Prostatakrebs sprechen, denn besonders im Anfangsstadium gibt es oft keine Probleme oder Schmerzen. Über Vorsorge und Eingriffen bei Potenzproblemen hat RBRS Reporter Sven Jaworek mit Facharzt Sebastian Wille gesprochen.
Ein Roboter als Hilfsarbeiter
Es gibt an der Beta Klinik mehrere Orthopädie-Spezialisten. Für Fuß- oder Handprobleme. Es gibt eine spezielle Kinderorthopädie und Sportmediziner. Peter Braun ist Facharzt für Orthopädie und seit 2013 Partner sowie Leitender Arzt der Orthopädie in der Beta Klinik Bonn. Sein Schwerpunkt liegt auf der konservativen und operativen Behandlung von Arthrose, der Endoprothetik an Hüft- und Kniegelenken sowie der Kinderorthopädie. Als Stützpunktarzt des Olympiastützpunktes Rheinland und Arzt der deutschen Fecht-Nationalmannschaft betreut er zudem Leistungssportler auf höchstem Niveau. Er ist einer der Ärzte, die bei seinen Operationen häufig den Mako-Roboter einsetzen. Dieses Hilfsmittel führt die Behandlung beispielsweise am Knie so durch, wie es der Arzt vorher bestimmt. Wir haben mit Peter Braun darüber gesprochen.
Interview mit dem Orthopäden Dr.Markus Klingenberg
Sie behandeln viele Patienten mit der Volkskrankheit Arthrose
Ja, Arthrose ist natürlich eine Erkrankung des mittleren oder höheren Alters, bei Kindern oder Jugendlichen zum Glück selten. Es ist aber sicherlich eine Volkskrankheit. Wir haben je nach Statistik 15, 16, 17 Millionen Betroffene, sicherlich auch mit einer hohen Dunkelziffer. Denn Arthrose muss nicht symptomatisch sein. Ein Gelenkverschleiß muss nicht wehtun. Das liegt daran, dass Knorpel, also quasi der Gelenküberzug, die Oberfläche unserer Gelenke, keine Nerven enthält. Knorpel ist aneural. Das bedeutet, vergleichbar unseren Zähnen: Ein Knorpelschaden schmerzt nicht unbedingt, weil er vorhanden ist. Er schmerzt, wenn das Gelenk aktiviert wird. Sei es, dass der Knorpelschaden sehr tief ist und bis zum Knochen greift - vergleichbar einem Loch im Zahn, das bis an den Nerv geht - oder weil das Gelenk insgesamt unter Stress gerät.
Sie kritisieren die mangelhafte Vorsorge
Genau, das finde ich ein spannendes Thema, weil vor allem auch niemand darüber redet. Bei Kindern ist es ganz klar: Wir haben die U-Untersuchungen. Wozu dienen die? Um Entwicklungsverzögerungen frühzeitig zu erkennen. Wir haben bei Frauen die regelmäßigen Untersuchungen beim Gynäkologen. Wir alle gehen von klein auf zum Zahnarzt. Und ansonsten gibt es den Dermatologen, bei dem wir unsere Leberflecke überprüfen lassen. Man geht zur Darmkrebsvorsorge ab Mitte 40, Anfang 50. Es gibt einen hausärztlichen Check, den man hinsichtlich Bluthochdruck oder Diabetes machen kann.
Aber für den Bereich, der nach der Psyche die zweithäufigsten Tage an Arbeitsunfähigkeit verursacht - den Bewegungsapparat und da vor allem den Rücken -, gibt es keinerlei Vorsorge. Und das Spannende ist ja, dass man extrem viel machen kann, wie so oft in der Prävention.
Warum sollte man zum Arzt gehen, wenn es keine Angewohnheit, kein Ritual und nicht gefördert ist? Ich kenne wenige Patienten, die zum Orthopäden gehen, es sei denn, sie haben bei sportmedizinischem Schwerpunkt eine besondere Herausforderung: Sie möchten einen Marathon laufen, an einem Triathlon teilnehmen oder sind im Elitebereich Teil des Nationalkaders, am Olympiastützpunkt. Dann sind jährliche Untersuchungen vorgesehen, weil man weiß: Auch da ist die Früherkennung besser und in erster Linie für den Sportler, aber auch für Profivereine günstiger, als erst zu therapieren, wenn ein Schaden aufgetreten ist.
Sie therapieren u.a. mit Eigenblut, Stammzellen und Fettgewebe
Die Therapie mit Eigenblut, körpereigenem Plasma ist schon relativ weit verbreitet. Da haben wir sicherlich einige hundert Anwender in Deutschland.
Bezogen auf die regenerativen Zellen aus dem Fettgewebe oder Knochenmark, unter anderem Stammzellen, ist der Anteil etwas geringer. In den letzten fünf Jahren habe ich etwa 200 Ärzte allein hier in Bonn und in München ausgebildet, um das Verfahren einzusetzen. In den Nachbarländern, insbesondere in Italien, ist es deutlich weiter verbreitet. Warum? Da ist es beispielsweise Teil der erstattungsfähigen Leistungen der Krankenkasse, was wir hier in Deutschland nur im Privatbereich haben.
Wenn ich Fettgewebe gewinnen möchte, ist das wie in der plastischen Chirurgie: Ich führe eine Liposuktion durch, meist am Bauch, manchmal am Oberschenkel. Das geht aber mit viel geringeren Mengen als in der Ästhetik. Ich brauche ein bis zwei Stiche von einem Millimeter. Ich mag es noch nicht mal einen Schnitt nennen. Wir nähen das auch nicht zu; da kommt am Ende ein Pflaster drauf. Darüber gewinne ich beim wachen Patienten, in der Regel unter lokaler Betäubung, etwas Fettgewebe. Wir nennen das Lipoaspirat. Das sind etwa 100 Milliliter. Kann man sich vorstellen: Davon bekommt man noch keine Bikini-Figur. Die werden verarbeitet. Die Verarbeitung dauert ungefähr eine halbe bis dreiviertel Stunde. Dann werden die Zellen reinjiziert, in der Regel in den Fettkörper des betroffenen Gelenks. Wir haben im Kniegelenk einen Fettkörper. Das macht das ganze Verfahren auch nach der deutschen Rechtsprechung legal, wenn wir Fett zu Fett geben. Und da eine Regeneration anstoßen.
Wir haben Patienten, bei denen wir seit acht Jahren die Therapie nicht wiederholt haben. Bei anderen Patienten führt man häufig nach drei, vier Jahren eine Wiederholung durch.
Werden künstliche Gelenke zu oft und zu früh eingesetzt Ihrer Meinung nach?
Deutschland ist Europameister, was die Knie- und Hüftendoprothetik angeht, und unter den Top drei weltweit. Also entweder sind alle Nachbarländer heillos unterversorgt oder wir haben ein gewisses Maß an Überversorgung. Eine orthobiologische Therapie, wie ich sie durchführe, für rund 2.000 Euro an einem Kniegelenk wird im gesetzlichen Bereich nicht erstattet. Eine Knieendoprothetik für 15.000 Euro schon.
Inzwischen ist in den Leitlinien für die Kniearthrose die Eigenbluttherapie als eine Option angekommen. Das hat aber auch zehn Jahre gedauert. Und wahrscheinlich dauert es noch einmal zehn Jahre, bis die Therapie unter Nutzung von Knochenmark, Stammzellen oder Fettgewebe integriert und akzeptiert in die Leitlinien aufgenommen wird.
Also kurzum: Ja, wir haben eine teils perverse Inzentivierung im Gesundheitssystem.
Für einen Arzt an einer Privatklinik behandeln Sie vergleichsweise viele Kassenpatienten
Genau, ungefähr zwei Drittel der regenerativen Patienten sind Kassenpatienten. Wir halten das sehr genau nach. Und ich habe vielleicht den Luxus oder die Zeit - oder nehme mir die Möglichkeit -, Patienten zu motivieren. Ich habe ein Buch geschrieben, „Die Arthrose-Sprechstunde“, in dem ich im Storytelling genau die Möglichkeiten und die Facetten beleuchte. Aber es braucht Zeit für Überzeugung. Ein gut informierter Patient kann dann frei wählen. Und ja, vielleicht ist der Gelenkersatz genau der richtige Weg. Vielleicht ist es das Training. Vielleicht ist es eine regenerative Therapie. Aber Aufklärung erfordert Zeit, und die ist Mangelware.

